Delhi Insider: Mein Indien Abenteuer

Im Jahr 2012 war ich für zwei Monate in Delhi, um ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Die Auswahl meines Reiseziels erfolgte einerseits aus einem inneren, nicht näher definierbaren Impuls, nach Indien zu gehen – andererseits dank der zufällig entdeckten Ausschreibung auf unserem Universitätsinstitut. Als ich mich dann bereits 4 Wochen nach Zeitpunkt meiner Bewerbung in Delhi wiederfand, brauchte ich erst einmal eine Weile, um mich an diese neue, fremdartige Realität zu gewöhnen …Typisch indische Rikscha

Mein erster Eindruck von Delhi: Überwältigung der Sinne

Da ich kaum Zeit hatte, mich auf diese Elf-Millionen-Metropole in einer fremden Kultur vorzubereiten, waren die Erwartungen an meinen bevorstehenden Aufenthalt dementsprechend gering. Ich habe mich ganz auf meinen gut ausgeprägten Abenteuersinn verlassen! Aus heutiger Perspektive macht das allerdings keinen Unterschied: Keine einzige Erwartung hätte dem gerecht werden können, was mir hier begegnete …

Chandni Chowk, Marktviertel in Delhi

Ich bin in der Nacht angekommen und weiß noch, dass ich überrascht war von der Vielzahl an Menschen – auf Straßen, unter Straßen, zwischen Straßen, auf Autos, auf Bussen, schlafend, liegend, essend. Es lag ein ganz eigener Geruch in der Luft, der sich mit Geruchswolken von Essen, Räucherstäbchen, Chai Tee oder Abgasen vermischte.

Sonnenuntergang in Delhi

Blumenmarkt in Delhi

Ein zusätzlich sehr einprägsamer Sinneseindruck: Der Lautstärkepegel war erstaunlich hoch und wurde vor allem durch hupende Autos definiert. Es verging eine Woche, in der ich hauptsächlich damit zu tun hatte, diese Außeneindrücke zu verarbeiten, durch viel Schlaf und in Gesprächen mit meiner Umwelt.

Essen auf Indisch: das kulinarische Delhi

Um meinen europäischen Magen zu schonen, war ich mit dem Essen in Indien anfangs sehr vorsichtig und nahm nur Selbstgekochtes oder Hausmannskost zu mir. Restaurants, Essenstände und Märkte gibt es in Delhi jedoch zur Genüge, sogar bei roten Ampelphasen wird versucht, Vorbeifahrenden Essen zu verkaufen. Und so tastete ich mich nach und nach an die indische Küche heran – zu meiner freudigen Überraschung vertrug ich alles gut und so konnte ich mich durch die Varietäten des Landes kosten. Es war der billigste, der einfachste, aber auch beste Weg.

Marktstand mit frischem Obst in Delhi

Curry und andere Speisen auf den Straßen Delhis

Westliches Essen ist verhältnismäßig teuer (für europäische Standards aber dennoch sehr günstig), eine empfehlenswerte Pizzeria habe ich in Hauz Khas Village, im Süden von Delhi gefunden: Pizzeria RossaCulinaire in Greater Kailash 2 ist mein Favorit der Thailändischen Küche und liefert auch nach Hause. Meine nicht vegetarischen Freunde habe ich zu Karim’s ausgeführt, der für gutes fleischhaltiges indisches Essen bekannt ist.

  • Pizzeria Rossa26 Hauz Khas Village (Mon-Son 12:00-1:00)
  • Culinaire: Shop No.1, S-Block, Greater Kailash 2, Chandan Market (Mon-Son 12:30-15:00, 18:30-23:00)
  • Karim’s: 16 Jama Masjid, Gali Kababian, Old Delhi (Mon-Son 9:00-0:30)

Delhi: Stadt der Kontraste und Sehenswürdigkeiten

Natürlich gehörte während meiner kurzen und intensiven Zeit in Indien auch ein wenig Sightseeing zum Programm. Zu den bekannten Touristenattraktionen in Delhi zählen das Red Fort, ein pompöser Mogul Palast, und India Gate, ein historischer Triumphbogen. Am besten gefallen hat mir jedoch der Lotus Tempel. Auf dem großflächigen Gelände rund um das religiöse Gebäude findet sich eine erstaunliche Ruhe, die man innerhalb der Lotusblätter des Bauwerks auf sich einwirken lassen kann. Genau das Richtige, um dem Großstadtleben kurz zu entfliehen.

Auch meiner treuen Begleitung, der Reiseente, gefiel der Lotustempel gut

Rikschas vor dem Red Fort in Delhi, Indien

Eine Empfehlung, die ich wegen meiner Arbeitszeiten leider nicht ausprobieren konnte: die Straßen Delhis auf einer morgendlichen Fahrradtour erkunden – dazu gibt es etwa organisierte Touren von Delhi by cycle. So kann man einige wichtige Sehenswürdigkeiten aus einer anderen Perspektive erleben.

Brücke mit Bambusbäumen im Lodi Garden, Neu Delhi

Eingang zum prächtigen Lodi Garden in Neu Delhi, Indien

Picknickmöglichkeiten bieten Parks in Delhi leider wenige, dafür überraschen sie immer wieder mit architektonisch schönen Gebäuden (oder schlafenden Menschen, aber an diese Skurrilität im Stadtbild gewöhnt man sich relativ schnell). Mein Favorit: Lodhi Garden, eine großzügige und gepflegte Gartenanlage mit Mausoleen, schönen Monumentalbauten und einer Vielfalt von Pflanzen.

Shopping in Delhi – nichts für schwache Gemüter

Chandni Chowk in Old Delhi ist für mich der Ort, der Reizüberflutung neu definiert. Er gilt als einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt. Wenn man sich jedoch im Vorhinein mental auf das bunte Treiben einstellt, findet man dort zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, von Gewürzen über Saris, bis hin zu technischen Produkten, Obst, Büchern und Gemüse. Auch ein perfekter Ort für alle, die sich im Feilschen und Verhandeln üben wollen.

Trödelstand auf einem Markt in Delhi

Großstadttrubel in Chandni Chowk, Delhi

Wer es etwas gemäßigter haben möchte, kann Dilli Haat besuchen: Ein Markt, bei dem man am Eingang gegen eine kleine Eintrittsgebühr gleich die Privatsphäre mit einkauft.

Connaught Place hat sich als entspannendste Einkaufslösung und Kompromiss der beiden erstgenannten Orte herausgestellt: Wegen seiner kreisförmigen Anordnung und der Unterteilung in inner, outer und middle circle kann man dort strukturiert einkaufen, aber auch gut essen gehen.

Typisches Bild auf indischen Essensmärkten: Gewürze in allen erdenklichen Farben

An Knoblauch mangelt es sicherlich nicht auf diesem Straßenmarkt in Delhi

Unterwegs in Indien: Von Rikscha bis Women-only-Zone

Indien ist das Land der abenteuerlichsten Transporterlebnisse. Allen voran die Auto- (oder für kurze Strecken: Fahrrad–) Rikscha: ein dreirädriges, grüngelb gehaltenes Fahrgestell, das als Taxi fungiert – ohne Fenster oder Sicherheitsgurt, mit augenscheinlich unendlicher Passagier-Kapazität.

Man glaubt nicht, wie viele Menschen in so ein Rikscha Taxi hineinpassen...

Tipp: Lasst euch nicht einreden, dass der Transport mehrerer Leute mehr kostet. Ein kleiner Aufschlag ist manchmal aber tragbar, vor allem bei Fahrradrikschas. Rikschas sind nicht schwer zu finden, als europäischer Superstar will jeder dein Chauffeur sein 😉 Bei der Auswahl gilt: Die Destination selbstbewusst aussprechen! Vorab, sofern möglich, einen Einwohner um den inländischen Rikschapreis von A nach B fragen. Dann: Verhandeln, mehrere Angebote einholen, sich für das Billigste entscheiden und den Preis mehrmals vom Fahrer bestätigen lassen.

Das Haupttransportmittel in Delhi - die Fahrradrikscha

Hinweis auf U-Bahn-Waggons nur für Frauen in Delhi

Es gibt auch klassische Taxis, die allerdings etwas teurer oder eher für längere Strecken vorgesehen sind. Auch hier gilt: Preise vorher immer ausmachen. Ich habe es so gehalten, dass ich von einem Taxifahrer meines Vertrauens die Telefonnummer bekommen habe, und ihn in Zukunft immer direkt kontaktiert habe, wenn ich längere Strecken fuhr oder in der Nacht transportiert werden wollte.

Noch ein Hinweis: Taxi- und Rikschafahrer in Indien sind männlich. Wer sich als Frau unwohl fühlt, kann auch von einer weiblichen Taxifahrerin transportiert werden, die man vorab allerdings anrufen muss.

Das Metrosystem in Delhi ist gut ausgebaut und verhältnismäßig modern, obwohl man meistens von einer Metrostation immer noch eine Rikscha an das endgültige Ziel nehmen muss, zu Fuß gehen kann man in Delhi leider eher schlecht. Für Frauen sind die ersten zwei Fahrzeuge reserviert, was zu Rushhour Zeiten ein Segen ist!

Und am Ende? …

Delhi - bunt, chaotisch, vielfältig

… komme ich wieder. Indien ist so vielfältig, wie ich es noch nie zuvor in einem anderen Land erlebt habe. Obwohl die Erfahrung, in Delhi zu leben, wohl einzigartig bleiben wird, so habe ich noch einige Erlebnisse mit dem Land Indien offen. Ambivalenz, Begeisterung, Farbvielfalt, Chaos, Straßenkühe und ich – wir passen ja auch ganz gut zusammen.

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