Istanbul: Orientalisches Flair am Bosporus

Man hört in letzter Zeit so einiges aus der Türkei – das meiste davon ist wenig erfreulich. Ob es nun die Unruhen im Gezi-Park vergangenes Jahr betrifft, oder die jüngsten Restriktionen von Staatschef Erdogan, das Land ist politisch in Bewegung. Istanbul jedoch bleibt weiterhin ein beliebtes Reiseziel bei Touristen weltweit. Die schillernde Metropole auf zwei Kontinenten präsentiert vielfache Gesichter und ich kann nur jedem empfehlen, sich ein eigenes Bild davon zu machen.

Istanbul – wo Ost und West einander begegnen

Wer nach Istanbul kommt, merkt sofort, dass es sich um eine Großstadt mit einem speziellen Touch handelt. Man spürt in den Straßen das Leben, die Leute wuseln nur so durch die Gassen, aber anders als in jeder westlichen Großstadt gibt es hier das Flair des Orients dazu. Moscheen verstreut über die ganze Stadt und der Muezzin, der laut hörbar zum Gebet ruft.

Die beiden berühmten Moscheen von Istanbul vom Bosporus gesehen

Blumenmarkt in Istanbul

Eine Istanbul Reise sollte am besten in der Altstadt beginnen. Dort finden sich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Gehdistanz: die Hagia Sophia, die blaue Moschee, der große Basar, der Gewürzbasar oder der Topkapi Palast.

Tücherstand am Basar - anscheinend empfohlen von Obama

Skurrile Geschäftstafel am Basar in Istanbul

Für eine garantierte Adrenalindosis ist bei einem Besuch des großen Basars gesorgt. Wer dort eine ruhige Minute findet, dem darf man gratulieren. Ob Teppiche, Taschen oder Schmuck, jeder Händler will seine Ware loswerden und man kommt kaum einen Meter weiter, ohne (über-)freundlich eingeladen zu werden, sich dies oder jenes genauer anzusehen. Schließlich gibt es ausgerechnet diese herrliche Tasche ganz bestimmt nur hier und sonst nirgendwo. Wer gerne handelt, hat hier sein Paradies gefunden!


Hoteltipp

Das Hotel Erboy in der Istanbuler Altstadt ist klein aber fein, mit gratis WLAN in allen Zimmern und einer hübschen Dachterrasse. Es befindet sich in Gehdistanz zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
www.erboyhotel.com


Eine Tour durch die Altstadt von Istanbul

Wenn man vom großen Basar in Richtung Hafen wandert, landet man direkt im Gewürzbasar, wo es etwas gemächlicher zugeht. Dieser kleinere Basar ist auch überschaubarer und man kann sich dort mit allerlei Köstlichkeiten eindecken, seien es Tees in allen Variationen, Naschereien oder eben Gewürze aller Art. Der Basar ist nicht nur eine Oase der Düfte, auch visuell taucht man in ein fast psychedelisches Farbenspiel ein. Dieser Ort ist eindeutig einer meiner Lieblingsplätze in Istanbul.

Bunte Farben am Gewürzbasar von Istanbul

Obst aller Art auf einem Basar in Istanbul

In der Altstadt befindet sich auch der Großteil der historischen Sehenswürdigkeiten. Die Hagia Sophia zum Beispiel, früher eine Kirche, danach eine Moschee, mittlerweile ein Museum, demonstriert beeindruckend die bewegte Geschichte der Stadt. Christliche Fresken neben muslimischer Symbolik, die Welt könnte so friedlich sein…

Was die weitere touristische Erkundung der Stadt betrifft, so kann man rund um die Altstadt, über die Galatabrücke bis ins Beyoğlu Viertel das Meiste zu Fuß erledigen.


Istanbul Städtetouren

  • Manzara ist der türkische Begriff für Aussicht und die Organisation hat sich ihren Namen zum Programm gemacht. Man kann dort private Appartements & Touren durch die Stadt buchen. Eine tolle Möglichkeit Istanbul mit einem persönlichen Touch zu erleben
  • Saffet Emre TonguçHistoriker und Reiseschriftsteller, bietet Stadtspaziergänge & Bosporus Rundfahrten an. Wer sich fundiertes historisches Wissen über die Stadt verschaffen möchte, wird hier sicher belohnt.

Trip von der blauen Moschee bis nach Asien

Ein ausgewogenes touristisches Programm lässt sich in zwei, drei Tagen locker absolvieren. Neben der Hagia Sophia empfiehlt sich weiters wärmstens ein Besuch der blauen Moschee (eigentlich Sultanahmed Moschee), die nur etwa 10 Minuten zu Fuß entfernt liegt.

Istanbul ist heute eine muslimisch geprägte Stadt. Daher gilt es als Tourist, bei der Besichtigung religiöser Bauwerke, bestimmte Verhaltensregeln zu respektieren. So wird man bei der blauen Moschee dazu angehalten, sich rechtzeitig vor dem Betreten seiner Schuhe zu entledigen (Frauen müssen in einigen Moscheen auch Kopftücher aufsetzen). Wem kein Stein aus der Krone fällt, dieses muslimische Gebot zu wahren, der wird mit einer atemberaubenden Meisterleistung orientalischer Kunst und Architektur belohnt. Mehr will ich dazu nicht sagen, man muss schon selbst dort gewesen sein, um zu erfahren, warum sie blaue Moschee heißt …

Blaue Moschee bei Sonnenuntergang

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Interessant ist auch ein Besuch der Zisterne, ein Überbleibsel aus der Römerzeit und quasi unterirdische Basilika mit beeindruckenden Säulengängen und Reliefs.

Keinesfalls auslassen darf man schließlich den Topkapi Palast, der auf einer prächtigen Anhöhe in der Altstadt thront. Dort gilt es, eine hochkarätige Juwelenausstellung sowie religiöse Artifakte (der Bart des Propheten!) zu besichtigen. Am lohnenswertesten bei gutem Wetter: der gloriose Blick auf Istanbul und das Marmara Meer.

Die Cisterna Basilica, auch "Versunkener Palast" genannt, ist eine spätantike Zisterne

Der Topkapi Palast ist heute ein Museum und war jahrhundertelang der Wohn- & Regierungssitz der Sultane

Wer noch nie in Asien war, der macht es, wenn Zeit bleibt, so wie ich und hüpft auf eine der preisgünstigen Fähren, die von Eminönü auf die asiatische Seite fahren. So schlendert man zum Beispiel in Üsküdür ein bisschen durch die Gegend – und zack! – schon war man in Asien. Bei gutem Wetter ist auch die Überfahrt ein Genuss.

Mit der Fähre kommt man im Nu auf die asiatische Seite Istanbuls

Istanbul bei Tag und Nacht: Beyoğlu-Viertel

Ein weiteres Istanbul Highlight stellt das Beyoğlu-Viertel dar. Kommt man von der Altstadt, so kann man auf der Galatabrücke jede Menge Zwischenstopps einlegen, um sich mit Speis und Trank zu stärken. Auf der anderen Seite angekommen, sollte man sich flugs auf den Galataturm begeben, um eine weitere herrliche Aussicht über Istanbul zu genießen.

Galata Turm in Istanbul

Die Bosporus-Brücke und die Skyline Instanbuls bei Sonnenuntergang

Abends findet sich im Beyoğlu-Viertel auch das Istanbuler Nachtleben. Eine Tour auf der İstiklâl Caddesi, einer langen Fußgängerzone zwischen Taksimplatz und Galataturm, lohnt sich auf jeden Fall. Neben den Shopping-Gelegenheiten bekommt man einen Eindruck davon, wie viele Menschen Istanbul beherbergt. Am Wochenende wälzen sich dort nahezu beängstigende Menschenmassen rauf und runter. Ein Erlebnis allemal.

Essen, Trinken und sonstige Genüsse

Istanbul hat neben einer beeindruckenden Geschichte auch noch andere Vorzüge. An vorderster Stelle ist wohl die türkische Küche zu erwähnen. Kaum jemals habe ich so viel und so gut gegessen wie hier.

Traditionelles türkisches Kebap

Sämtliche Restaurants, die ich während meines Aufenthaltes besucht habe, kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Restaurant Hamdi liegt am Hafen in Eminönü und bietet wie das in Beyoğlu gelegene Mekan traditionelle türkische Küche.

Das ebenfalls im Beyoğlu-Viertel gelegene Restaurant Otto ist eine hippe Restaurantvariante mit eklektischer Speisekarte, die von Burgern und Pasta bis hin zu türkischen Speisen eine bunte Auswahl bietet.

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Türkische Süßspeisen sind legendär, diverse Konditoreien finden sich verstreut über die ganze Stadt – wer gerne nascht, sollte sich nicht zurückhalten. Zwischendurch empfiehlt sich die eine oder andere Pause, um den traditionellen schwarzen Tee (Çay) oder türkischen Kaffee zu trinken.


Kulinarik Tipps

  • Istanbul Eats empfiehlt sich besonders für Tipps in Sachen Street Food und Local Food.
  • Vegetarier und Veganer werden sich auch nicht kasteien müssen. Bei Vegan Travelling Adventures gibt es eine Menge Tipps und wer Happy Cow  kennt weiß, dass deren Empfehlungen meist aktuell und zuverlässig sind.
  • Wer gleich selbst türkisch kochen lernen möchte, der sei auf das Istanbul Culinary Institute verwiesen.

Das innere eines Hammams, ein türkisches Bad

Wer seinem von Besichtigungstouren und lukullischen Exzessen geschundenen Körper etwas Gutes tun will, sollte sich einen Besuch im Hammām (oder auch türkischen Bad) nicht entgehen lassen. Der in der Altstadt gelegene Cağaloğlu Hammām gilt nach einem New York Times Bestseller als einer von 1000 Orten, die man gesehen haben sollte, bevor man das Zeitliche segnet. Dem kann ich nur zustimmen. Preislich ist das zwar nicht gerade ein billiges Vergnügen, zum Teil ist dieser Hammām auch relativ ausgelastet. Wer sich jedoch die volle Waschprozedur leistet, fühlt sich danach wie neugeboren.

Die Skyline Instanbuls

Alles in allem ist Istanbul ein großes Abenteuer, das man erlebt haben sollte. Eine wahre Metropole, mit freundlichen Bewohnern, einer Energie, die man bereits bei der Ankunft deutlich spürt und einer kräftigen Prise Orient, die dem ganzen ein einzigartiges Flair verleiht.

Vielen Dank an Meral Akin-Hecke für weitere Tipps in Sachen Essen/Unterbringung/Stadtspaziergänge.

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