Istanbul Insider: 2 Kontinente, viele Gesichter

Bloggerin Katharina hat in der Bosporus Metropole Istanbul gelebt – hier gibt es ihre Insider Tipps & Einblicke in das Alltagsleben auf zwei Kontinenten.

Als Erasmus-Studentin hatte ich die Chance, fünf Monate in Istanbul zu (er)leben. Die Bezeichnung „Großstadt“ hat die Bosporus-Metropole mit etwa doppelt so vielen EinwohnerInnen wie Österreich auf jeden Fall verdient.

Ausblick vom Galataturm über die Stadt Istanbul

Istanbul liegt noch zur Hälfte in Europa, gehört aber auch schon zum Orient. Einerseits nehmen sich die jungen TürkInnen europäische Trends (besonders aus Deutschland und auch aus Österreich) als Vorbild, andererseits sind traditionell türkische Werte wie Familie, Religion und traditionelle Küche stets präsent. Um die vielen wohlgenährten Straßenkatzen und -hunde kümmern sich die IstanbulerInnen rührend − an vielen Straßenecken sind Schälchen mit Milch und Futter zu finden.

Die cleveren Straßenkatzen wissen genau, wann es sich wo lohnt, auf Futter zu warten
Die cleveren Straßenkatzen wissen genau, wann es sich wo lohnt, auf Futter zu warten
In der westlichsten Stadt der Türkei trifft man nicht hauptsächlich auf Frauen mit Kopftuch, beim Moscheebesuch ist die Kopfbedeckung jedoch auch für Touristinnen Pflicht
In der westlichsten Stadt der Türkei trifft man nicht hauptsächlich auf Frauen mit Kopftuch, beim Moscheebesuch ist die Kopfbedeckung jedoch auch für Touristinnen Pflicht

Traditionelles Markttreiben im Herzen Istanbuls erleben

Als eine der bekanntesten und ältesten Sehenswürdigkeiten Istanbuls lockt der eindrucksvolle Grand Bazaar viele BesucherInnen an. Besonders Einheimische tummeln sich oft auf einem der unzähligen weiteren Basare, die es in ganz Istanbul gibt. Dort werden vor allem frisches Obst und Gemüse, Gewürze, Kleidung, Modeschmuck und Haushaltswaren unter lauten „Buyrun, buyrun!“-Rufen („Bitte sehr, kaufen Sie!“) der VerkäuferInnen angeboten.

Einkaufen am Grand Bazar in Istanbul

Auch auf Märkten und in Läden ist man bestens auf die Streuner vorbereitet
Auch auf Märkten und in Läden ist man bestens auf die Streuner vorbereitet

Ein weiterer Basar findet jeden Samstag in Beşiktaş statt. In dem großen Parkhaus machen die sonst dort abgestellten Autos an diesem Wochentag Platz für reges Markttreiben abseits der üblichen Touristenpfade.

Authentische Türkische Küche probieren

Ebenfalls in Beşiktaş befindet sich eines meiner Lieblingsrestaurants in Istanbul: Dürümce ist vor allem für seinen Adana Kebab und weitere typisch türkische Spezialitäten bekannt. Essen, Service und Atmosphäre sind im Dürümce so richtig türkisch. In den oberen Stockwerken bekommt man oft einen Tisch am Fenster, wo man einen tollen Ausblick auf den Bosporus genießen kann.

Achtung: Nicht Kebab mit Döner verwechseln, wie wir das im heimischen Sprachgebrauch gerne machen. Kebab bezeichnet nämlich einfach nur Fleisch.

Vorspeisen und Adana Kebab bei Dürümce in Istanbul
Vorspeisen und Adana Kebab bei Dürümce

Die türkische Küche mit ihren meist sehr fleisch- und brothaltigen Gerichten und den vielfältigen Zuspeisen hat es mir wirklich angetan. Einzig irritierend war für mich, dass beinahe zu allen Gerichten Pommes Frites serviert werden und diese auch in Dürüm und Döner enthalten sind.

Und vom Islak Hamburger („Nasser Hamburger”) habe ich nach nur einem Bissen die restlichen Monate meines Aufenthalts die Finger gelassen. Innen Burgerfleisch, außen nasses Brot. Das ist aber wirklich die einzige Speise in der Türkei, die mir nicht geschmeckt hat. Mutige dürfen sich auch über Kokoreç trauen: Brot, gefüllt mit geröstetem und gewürztem Schafsdarm.

Frühstück – wohl wichtigste Mahlzeit des Tages in der Türkei

Die Gegend rund um die Çelebi Oğlu Sokak und die Şair Veysi Sokak im Zentrum von Beşiktaş wird von den Istanbulern auch „Kahvaltı Sokak“ („Frühstücks-Straße“) genannt. Zahlreiche kleine Cafés reihen sich in dieser Straße aneinander und bieten traditionell türkisches Frühstück an. Eines meiner Favoriten war etwa das Lokal Pişi.

Frühstückstisch in Istanbul
Kein Start in den Tag ohne Menemen, Balkaymak und frischgepressten Orangensaft
Tee wird typischerweise in diesen kleinen Gläsern serviert
Tee wird typischerweise in diesen kleinen Gläsern serviert

Aufgetischt werden diverse Käsesorten und Aufstriche, Marmelade mit großen Fruchtstückchen, frische Tomaten, Gurken und ein Berg an Oliven. Unter den lokalen Spezialitäten mochte ich am liebsten „Menemen“, eine Tomaten-Eierspeise und „Balkaymak“, eine Art sehr cremiger Cream Cheese in Honig.

Getrunken wird zum Frühstück türkischer Çay. Aber nicht nur morgens, den ganzen Tag über wird der starke Schwarztee konsumiert. Zu Beginn meines Istanbul-Aufenthalts habe ich stets 2 Stück Zucker in die kleinen Teegläser gerührt, nach und nach bin ich auf den Geschmack gekommen und genieße das türkische Nationalgetränk mittlerweile zuckerfrei.

Must-See: Museum der Unschuld

Der sehr erfolgreiche türkische Autor Orhan Pamuk ist auch hierzulande kein Unbekannter. An seinen Büchern, die in Istanbul spielen, gefallen mir besonders die detaillierten Beschreibungen von Orten, die man bei einem Besuch in der Stadt wiedererkennt. Seinem Buch „Museum der Unschuld“ hat er sogar ein tatsächliches Museum gewidmet, in dem man Kapitel für Kapitel nach dem Lesen nochmals erleben kann. Wer das Buch besitzt, bekommt damit sogar freien Eintritt.

Großflächige Werbung für Orhan Pamuks neuestes Buch in der Istiklal Caddesi, die nur früh morgens so menschenleer ist
Großflächige Werbung für Orhan Pamuks neuestes Buch in der Istiklal Caddesi, die nur früh morgens so menschenleer ist

Istanbul Sapphire: Über den Dächern der Stadt

Das höchste Gebäude der Türkei wurde 2011 gebaut und befindet sich – wie sollte es anders sein – in Istanbul. Der Gigant namens Istanbul Sapphire erinnert mit seiner Architektur etwas an eine Skisprungschanze. Der Wolkenkratzer bietet neben einem Einkaufszentrum und Luxuswohnungen mit Golfplatz auf 66 Stockwerken auch die Möglichkeit, in 260 Metern Höhe den Ausblick auf Istanbul zu genießen. Besonders abends, wenn es schon dunkel ist, ein besonders beeindruckendes Erlebnis.

Istanbul Sapphire & Blick auf die Skyline der Stadt bei Nacht

Das tägliche Verkehrschaos und wie man ihm entkommt

Den ganzen Tag, ganz besonders aber morgens und abends, ist viel Verkehr auf Istanbuls Straßen. Dreispurige Kreisverkehre werden dann zu fünfspurigen und so manche Autofahrende meinen wohl, durch lautes, andauerndes Hupen schneller voranzukommen. Auch Linienbusse stehen häufig im Stau. In manchen Teilen der Stadt kann man die Metro nehmen, um dem Verkehrschaos zu entkommen, doch es gibt zum Glück auch noch andere Möglichkeiten.

Bunte Fassaden in Istanbul

Die europäische und die asiatische Seite Istanbuls, jeweils auf einer Seite des Bosporus gelegen, sind durch Fährverkehr miteinander verbunden. Hier gibt es statt Stau stets eine frische Brise und einen Schwarm Möwen, der aufgeregt jede Fähre begleitet. Eine Fahrt auf den Wasserwegen Istanbuls sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Von der europäischen Seite kommt man so beispielsweise gut nach Kadıköy, wo kleine Restaurants und Läden zum Verweilen und Bummeln einladen.

Fähre und Schwarm von Möwen in Istanbul

Fähre in Istanbul

Auch der Dolmuş (auf türkisch bedeutet das in etwa „gefüllt“) ist ein typisches Verkehrsmittel. Das Sammeltaxi, das an den mit einem großen „D“ gekennzeichneten Haltestellen zu finden ist, fährt dann, wenn es voll besetzt ist. Bezahlt wird während der Fahrt beim Fahrer, dem das Fahrgeld von den hinteren Reihen nach vorne gereicht wird. Dolmuşfahrer halten sich zwar an die vorgegebene Abfahrts- und Ankunftshaltestelle (naja, zumindest ungefähr 😉 ), den Weg wählen sie jedoch je nach Verkehrsaufkommen individuell – ein kleines Abenteuer für sich.

Party! Wie man Istanbuler Nächte zum Tag macht

Als Erasmus-Studentin habe ich natürlich auch das Istanbuler Nachtleben kennengelernt. Die meisten Bars und Clubs findet man wohl in den Seitenstraßen der Haupteinkaufsstraße Istiklal Caddesi in Beyoğlu. Oft verstecken sich die Lokale in den oberen Stöcken eines Wohnhauses, das von außen ganz und gar nicht nach Party-Location aussieht.

Clubs mit europäischer Party-Atmosphäre sind beispielsweise Beat Club und Eski Beyrut. Wer zu türkischer Musik tanzen will, kommt im Eskici voll auf seine Kosten.

Besonders abends ist auf der Istiklal Caddesi viel los
Besonders abends ist auf der Istiklal Caddesi viel los
In Clubs und Bars ist es kein Problem, Alkohol zu konsumieren - in 100 Metern Umkreis einer Moschee jedoch verboten
In Clubs und Bars ist es kein Problem, Alkohol zu konsumieren – in 100 Metern Umkreis einer Moschee jedoch verboten

İstanbul çok güzel bir şehir („Istanbul ist eine schöne Stadt“)

Das Schöne an Istanbul ist, dass diese Stadt nie langweilig wird. Oft wirkt sie laut und chaotisch, doch Stress macht sich dort niemand. Mit einem Glas Çay am Bosporus-Ufer in der Sonne zu sitzen und die vorbeifahrenden Schiffe und Möwen zu beobachten, ist wohl einer der unbezahlbarsten Momente.

Der schönste Ort zum Relaxen ist in Istanbul wohl das Ufer des Bosporus - egal ob zum Frühstück mit Cay oder auf der Fähre bei Sonnenuntergang
Der schönste Ort zum Relaxen ist in Istanbul wohl das Ufer des Bosporus – egal ob zum Frühstück mit Cay oder auf der Fähre bei Sonnenuntergang

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