Segeln in Kroatien: Die Adria nur für dich

Manchmal bedarf es nur den Bruchteil einer Sekunde um eine Entscheidung zu treffen – die Möglichkeit mit vier Freundinnen zum Segeln nach Kroatien zu fahren, war eine solche Situation. Mit einem Strohhut, einigen Bikinis und einer Tube Sonnencreme im Handgepäck, machte ich mich also auf den Weg an die schöne blaue Adria um in See zu stechen.

Willkommen an Bord des Segeltrips in Kroatien © Katharina Kamleitner

Nur Handgepäck? Ja, das war nämlich die erste Regel vom Segeln: leichtes Gepäck, und bloß kein Hartschalenkoffer – für solche Dinge war an Board kein Platz. Zum Glück benötigen Matrosen-T-Shirts und Sommerkleider relativ wenig Stauraum, Schuhe sind an Board eines Segelbootes ohnehin nicht zu empfehlen – Rutschgefahr! Und so kam ich ganz ohne schweren Ballast – auch den Mentalen hatte ich zuhause gelassen – und gespannt auf die nächsten sieben Tage am Hafen von Split an. Wir hatten uns für eine Woche Partysegeln entschieden. Nach einer kurzen Nacht im Hafen hissten wir und die 20 anderen Boote unserer Flotte die Segel. Leinen los und Schiff ahoi!

Kurs setzen: Von Split bis nach Brac

Die Adria ist ein wahres Segelparadies. Von Istrien bis Süd-Dalmatien gibt es Hunderte von wunderschönen Inseln, einsamen Buchten und malerischen Hafenstädtchen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Split bildet eines der bedeutendsten touristischen Zentren des Landes, ist einfach mit dem Billigflieger erreichbar und bietet außerdem die unterschiedlichsten vorgelagerten Inseln, die es zu entdecken gilt – für uns lag der Fall also auf der Hand. Von Split führt unsere geplante Route zunächst nach Hvar und zu den Pakleni Inseln, dann weiter nach Komiza auf Vis, und zum Abschluss nach Brac. So viele kroatische Inseln in einer Woche schafft man nur mit dem Segelboot!

Segelboote am Steg von Palmizana, Kroatien © Katharina Kamleitner

Auf dem Plan stehen malerische Badebuchten, blaue Lagunen, abgelegene Höhlen, kroatische Delikatessen und natürlich jede Menge Parties mit den anderen Seglern. Wer es ruhiger angehen möchte, kann auch im privaten Rahmen eine Yacht mit oder ohne Skipper chartern, und die Route an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Kroatien vom Wasser aus – einzigartige Aussichten

Selbst für mich als Kroatien-Erfahrene war schnell klar, dass das Land vom Wasser aus sogar noch schöner aussah. Noch nie hatte ich die Felsen und Klippen der Küste so imposant erlebt, oder die unterschiedlichen Blautöne des Meeres so bewusst wahrgenommen. Einmal 360 Grad Wasser um sich haben, um dann wie aus dem nichts eine kleine Inselgruppe am Horizont zu entdecken. Welcher Ort mochte sich dort wohl befinden?

Highlights einer Segelreise bei Split:

 

Dieses unbewohnte Inselchen ist eine der Pakleni Inseln, die unpassenderweise auch Hölleninseln genannt werden. Auf der Hvar zugewandten Seite befindet sich die Marina, mit einem kleinen Geschäft, einem Restaurant und ein paar wenigen Ferienhäusern für eine Hand voll Besucher. Auf der anderen Seite der Insel, nur einen kurzen Spaziergang durch ein erfrischend grünes Wäldchen entfernt, liegt die wohl idyllischste Bucht Kroatiens. Überall ankern kleine und größere Yachten und das Wasser ist so klar, dass ich binnen weniger Sekunden mein verlorenes Haargummi auftauchen kann. Diese Farben!

1. Palmizana, Pakleni Inseln

Die Insel Hvar ist unter Partytieren schon längst kein Geheimtipp mehr. Vor allem die Hauptstadt, Hvar Stadt, ist ein Mekka für Bars und Clubs – allen voran die einzigartig gelegene Bar Hula Hula, von der aus der schönste Sonnenuntergang der Insel beobachtet werden kann. Die Bar liegt nur etwas außerhalb des Orts, doch wer Wert auf einen großen Auftritt legt, sollte sich ein Wassertaxi mieten und unter aller Augen am Steg anlegen.

2. Hula Hula, Hvar

Die wirtschaftlich bedeutendere Stadt auf Hvar ist Stari Grad im Nordwesten. Sie ist jedoch auf keinen Fall weniger idyllisch. Die Hafenpromenade, die sich U-förmig am Wasser entlang schlängelt lädt zum genüsslichen Flanieren ein – am Besten mit einer Eistüte in der Hand. Zur Badebucht geht man vom Zentrum etwa 10 Minuten, doch auch die kleinen, verzweigten Gässchen hinter der Promenade sind eine Erkundungstour wert. So findet man zum Beispiel auch gut und gerne eine Cocktailbar mit sonniger Dachterrasse!

3. Stari Grad, Hvar

Wenn ein paar erfahrene Skipper 20 Boote in einen großen Kreis manövrieren, zusammenbinden und damit einen runden Meerwasserpool bilden, weißt du: es ist Partytime! Im Kreise der neugewonnenen Freunde hüpften wir von Boot zu Boot, tanzten neben dem DJ auf dem Dach eines großen Katamarans und kenterten das aufblasbare Boot eines unserer Nachbarn. Eine solche Party muss man erlebt haben!

4. Bootparties

Vis ist die von Split am weitesten entfernte Insel unserer Reise, und doch die beste Belohnung für die Strapazen der Anreise – die meterhohen Wellen und die daraus folgende Übelkeit sind längst vergessen als wir im malerischen Komiza an Land gehen. Das Dorf schmiegt sich in eine kleine Bucht: rechts ein kiesiger Badestrand auf dem sich die Einheimischen drängeln, links eine Hafenpromenade, ein Platz mit zahlreichen Kaffees und dahinter kleine Gässchen mit Handwerksläden, Souvenirshops und Tavernen. Ganz schnell landet die Insel auf meiner „To Do“ Liste für den nächsten Kroatienurlaub.

5. Komiza, Vis

Das Leben an Board…

Sieben Tage lang an Board eines Segelbootes zu verbringen ist zwar kein Kinderspiel – vor allem wenn man nachts keine Dockstation findet und weder Strom noch Trinkwasser auffüllen kann – doch die Routine an Board unterscheidet sich eigentlich nicht weit von einem herkömmlichen Urlaub. Es gibt eine vollausgestattete Küche, mehrere überschaubare Schlafkabinen und zwei Toiletten. Die meiste Zeit verbringt man sowieso an Deck – entweder zum Sonnen am Bug oder der Seekrankheit trotzend mit auf den Horizont fixierten Augen – oder natürlich im Wasser. Abhängig von der Windlage und eurer Segelerfahrung aktiviert der Skipper die Segel oder bleibt beim Elektromotor, dann geht es von Hafen zu Hafen und Bucht zu Bucht. Und das beste ist: der lange Weg vom Hotel zum Strand ist Geschichte!

Aufbruch zum Segeltrip von Split nach Brac © Katharina Kamleitner

…und an Land

Da die Strecken unserer Route relativ kurz sind, gehören ausgedehnte Landgänge zur Tagesordnung. Mit den ersten Schritten auf festem Boden dreht sich die Welt noch ein wenig – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. In den den meisten Häfen gibt es nur kleine (= teure) Supermärkte, deswegen sollte man den Haupteinkauf bereits in Split erledigen. Es gibt aber auch meist Restaurants, um die wackelige Angelegenheit des An-Board-Kochens zu vermeiden. Am besten geeignet sind die Zwischenstopps in den kleinen Städtchen aber auch, um in die lokale Kultur einzutauchen – fangfrische Fischgerichte in einer gemütlichen Taverne, süße Eiskreationen aus dem Stanitzel löffeln, oder einfach nur an der Promenade sitzen und die vorbeiziehenden Menschen beobachten.

Einwohner von Komiza, Kroatien © Katharina Kamleitner

Straßenszenen in Stari Grad, Kroatien © Katharina Kamleitner

Von den Parties ganz zu schweigen; lediglich Familien- und Selbstfahrerdestination ist Kroatien nämlich schon lange nicht mehr. In den Clubs und Bars drängen sich junge Leute aus aller Welt, viele sind selbst auf Segelurlaub und erkennen uns noch von der letzten Bootparty: „Da sind die tanzenden Mädels!“ – wir haben uns wohl einen Namen gemacht.

Und das haben wir mit Kroatien gemeinsam, denn das tiefblaue Meer, die einsamen Buchten und Postkartendörfer der dalmatischen Küste sind vieles, aber kein Geheimtipp mehr. Sie auf ganz individuelle Weise mit dem Segelboot zu entdecken dafür vielleicht aber schon. Also, ahoi!

2 Gedanken zu „Segeln in Kroatien: Die Adria nur für dich“

  1. Ein schöner Bericht von Kroatien.
    Hvar ist in den letzten Jahren wirklich die Partylocation von ganz Kroatien geworden.

    Teilweise gefällt mir das mit 40+ zwar auch noch, wobei wir jetzt schon lieber ruhigere Plätze zum Entspannen suchen, wo es im nahen Umfeld ja viele gibt. Z.B. auf der ca. 1,5 Stunden südöstlich gelegenen Insel Scedro genießen wir gerne die Ruhe in der Bucht. Vor allem in der Vor- und Nachsaison…

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