Die Rückkehr nach einer langen Reise

Die Rückkehr nach Hause gehört zum schwersten Teil einer unvergesslichen Reise. Oder vielleicht doch nicht?

Mit dem Herzen in der Ferne und der Abenteuerlust im Gepäck brechen wir auf in Richtung Horizont, fremden Kulturen und unzählbaren Erfahrungen hinterher.

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, der Nomade erwacht wieder in unserem Inneren und die Welt scheint uns zu Füßen zu liegen. Wer heute im Lebenslauf nicht mindestens ein paar Monate in Thailand backpacken war oder in Australien Baumwolle gepflückt hat, gehört wohl zur alten Schule.

Reisen ist mittlerweile viel einfacher geworden und es gehört zu den schönsten Dingen der modernen Welt. Doch oftmals vergessen wir den Gedanken an die Rückkehr, denn diese geht mit der Zeit in der Ferne Hand in Hand.

Wenn die schönsten Momente plötzlich zu Geschichten werden

Vor zwei Tagen bist noch auf den Philippinen unter Palmen geschaukelt, in Peru auf Berge gestiegen oder hast auf Bali im Hostel Karten gespielt. Plötzlich stehst du am Gepäcksband deines Heimatflughafens und ein Gefühl der Verlorenheit überkommt dich. Die letzten Monate oder gar Jahre war dein Lebensinhalt in einem Rucksack und deine Sorgen im weißen Sandstrand unter der Sonne begraben.

Wenn wir nach einer langen Reise nach Hause kehren, holt uns die Realität schneller ein, als wir glauben. Unsere Erlebnisse werden zu Geschichten und so nah sie auch scheinen mögen, desto entfernter sind sie. Wir fühlen uns verloren, von der Welt im Stich gelassen, hin und her gerissen, weder dort noch hier. Dieses Gefühl überkommt beinahe alle Reisenden, die nach langer Zeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.

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Vertraute Menschen wieder in die Arme schließen

Hinter dem Gepäcksband erwartet dich aber der emotionalste Moment einer Heimkehr – Familie und Freunde warten auf dich und können es beinahe kaum erwarten, dein neues braungebranntes Gesicht wieder zu sehen. Nichts ist schöner, als nach einer langen Zeit wieder in bekannte Augen zu blicken. In den letzten Wochen sind Reisebekanntschaften zu guten Freunden geworden, trotzdem aber hast du deine Lebensgeschichte in etwa gefühlte zweihundertmal erzählt und dich doppelt so oft vorgestellt. Wer viel in Hostels schläft, kennt den endlosen Smalltalk und das Fehlen von vertrauten Menschen. Wenn du wieder nach Hause kehrst triffst du wieder jene Personen, die dich kennen und lieben und das schon seit Jahren.

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Alles beim Alten oder doch alles neu?

Diese Differenzierung erscheint uns oft am schwersten. Haben wir uns verändert, ist unsere Heimat fremd geworden, ist das Alte nun neu oder doch wieder bekannt und alltäglich? Wer lange im Ausland war kennt das Gefühl seine vertraute Gegend mit völlig anderen Augen wahrzunehmen. Wenn der Rathausplatz plötzlich in neuem Glanz erstrahlt, das langweilige Café plötzlich zum Hotspot wird und wir endlich wieder bei unserem geliebten Bäcker nebenan einkaufen können. Aus alt wird neu, sowohl im Herzen als auch in den Augen. Nichts ist wichtiger, als seine Tapeten ab und an zu wechseln um dem Alltag zu entfliehen, damit Alltägliches wieder wahrgenommen werden kann.

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Hilfsmittel für Fernweh

Wer gerne und oft verreist, kennst die akuten Symptome von Fernweh und Reisefieber nur zu gut. Auch wenn du deinen Reisepass nur schweren Herzens wieder aus der Hosentasche geben kannst und die vielen Währungen deine Geldtasche einnehmen und dich an der Kasse an die schönen Zeiten erinnern, gibt es doch ein paar Tipps, um auch der Heimat etwas Reisegefühl einzuhauchen.

  • Souvenirs: Egal ob Touristenkitsch oder kreative Handwerkskunst – wenn es dich an deine Zeit im Ausland erinnert, dann nimm es mit. Ziere deine Wohnung mit Errungenschaften aus der ganzen Welt. Hier ein Bild aus Brasilien, dort eine kleine Schale aus Japan und der Pulli aus Island bringt dich sicher durch den europäischen Winter. Füge deinem Alltag Kleinigkeiten hinzu und erinnere dich an den Moment, als du noch dort warst.
  • Tagebücher: Auch wenn es mühsam und veraltet klingt – Tagebücher sind die schönsten Erinnerungen von allen. Wenn du Jahre später noch das kleine, handgeschriebene Buch findest und bei den Zeilen in die vergangenen Geschichten eintauchen kannst, fühlst du dich, als sei es gestern gewesen. Nutze die Zeit im Flieger, in Bussen oder Zügen, während du im Hostel auf deinen Schlüssel wartest oder in der Sonne bratest, um schnell ein paar Worte aufzuschreiben.
  • Fotos & Postkarten: In Zeiten von Smartphones haben wir unsere Kamera stets dabei. Einerseits ein Fluch, andererseits ein Segen, wenn du nach langer Zeit wieder deinen Speicher durchforstest. Fotos erinnern uns an Dinge, die wir sonst beinahe vergessen hätten und bringen uns wieder zurück an die Küste Portugals oder an den schönsten Pool auf den Malediven. Und wer noch auf die alte Schule steht, sollte sich unbedingt selbst mal eine Postkarte schreiben 😉
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Die Veränderung im Gepäck

Wer sich auf eine lange Reise einlässt, vergisst oftmals auf die Zeit danach. Denn die Rückkehrt ist, auch wenn du mit verpassten Flügen und untragbaren Hostel-Betten zu kämpfen hattest, wohl doch das Schwierigste beim Reisen. Deine Freunde verdrehen mittlerweile nur mehr die Augen, wenn du mit „damals auf Bali“ beginnst, die Heimat ist fremder denn je, die Pizza schmeckt nicht so gut wie in Italien und du kannst es kaum mehr erwarten, endlich wieder deinen Rucksack zu packen.

Die Depression scheint endlos, ebenso wie die Zeit bis zu deinem nächsten Aufbruch. Erfahrungen im Ausland verändern uns und unsere Wahrnehmung und dessen müssen wir uns bewusst werden. Auch wenn du nach einer Ankunft am liebsten deinen Koffer sofort wieder zu Departure rollen möchtest, gehört dieser Teil ebenso zum Reisen und bildet uns. Wir lernen mit vielen Blickwinkeln umzugehen und schulen unser Auge für Neues und Altes, auch wenn die Grenze dieser beiden oftmals zu verschwimmen scheint.

Wir sind anders, für kurze Zeit ist unsere Haut ist gebräunter und das Haar heller, aber Erinnerungen werden bleiben und unser zukünftiges Leben prägen – die wohl schönste Veränderung am Reisen überhaupt.

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